Re:Law als Methode

Re:Law ist Teil einer Bewegung, ein Lehrprojekt, aber vor allem eine Methode. Prägend ist die Herangehensweise des methodisch angeleiteten Überdenkens und Umschreibens von Rechtstexten. Rosemary Hunter beschreibt dies als Sammlung von Gewohnheiten, Techniken, Anliegen und Dispositionen, die feministische Angehörige der Justiz in ihrer Entscheidungsfindung entwickelt haben oder aus Sicht feministischer Kritik (Aktivismus, Praxis, Wissenschaft) entwickelt werden sollten. ReWriting folgt dabei keinem starren Schema, sondern ist ein offener Möglichkeitsraum und eine wissenschaftliche Praxis, die zu Reflexion und methodischer Nachvollziehbarkeit verpflichtet.

Im Re:Law Projekt an der HU Berlin verstehen wir ReWriting als Prozess, der juristisch und gesellschaftskritisch radikal sein kann, aber auch vorsichtig reformierend ausfallen mag. Feministische und andere Formen des ReWritings sind vor allem eine kollaborative Praxis, in der nicht nur juristisch Arbeitende, sondern auch Personen aus anderen Disziplinen und mit anderen Praxen gemeinsam juristische Texte hinterfragen und umschreiben. Kernziel ist es, durch den Einsatz kritischer Linsen, sensibler Sprache und differenzierter Kontextualisierungen diskriminierende Wirkungen von Recht sichtbar zu machen und zu reflektieren.

Wir haben für den deutschsprachigen Raum einen Leitfragenkatalog entwickelt. Er bietet praktische Orientierung, denn er teilt den Prozess des ReWritings in fünf Abschnitte ein: von den Ersteindrücken zum Fall, dann der Entscheidung bis zum Reformulieren und schließlich der Reflexion. Die Leitfragen verbinden juristische Logiken mit interdisziplinärem Wissen und lenken den Blick auf Wahrnehmungen und Repräsentationen, implizite sowie explizite Annahmen, empirische Behauptungen und normative Aussagen, sowie auf Ungerechtigkeiten. Sie helfen dabei, am Ende tatsächlich eine umgeschriebene Entscheidung vor sich zu sehen.

ReWriting ist eine sichtbare und positionierte Auseinandersetzung mit Recht als System aus Normen und als sprachlicher Praxis, die Gesellschaft ebenso prägt wie persönliche Erfahrungen, Institutionen und Strukturen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit stellt dabei besondere Herausforderungen dar, etwa im Umgang mit unterschiedlichen Disziplinen und Perspektiven. Dennoch öffnet Re:Law einen kritischen Raum, um Recht und dessen Umschreibungsprozesse vielschichtig zu verstehen und kritisch zu gestalten.