Ursprünge
Das Projekt Re:Law steht in der Tradition der Feminist Judgments Bewegung. Diese Bewegung begann in Kanada:
„8:00 PM, 27 February 2004—the end of a long day. Ten feminist equality […] activists, lawyers, and academics are sitting around a long table eating pasta and drinking red wine in an Italian restaurant in downtown Toronto. We have spent the day together talking about section 15 of the Charter—recent cases, recent losses.“
An diesem Abend gründete sich der Women’s Court of Canada. Diana Majury beschreibt das in „Introducing the Women’s Court of Canada“: Es war die Frustration angesichts der anhaltenden Reproduktion eines rein formellen Gleichheitsverständnisses durch den Supreme Court of Canada. Wie sollten sie das ändern? Sie entschieden sich, sieben Gerichtsentscheidungen des Supreme Court umzuschreiben, also selbst Hand anzulegen. Sie zeigten so auf, wie Recht geschlechtssensibler und rassismuskritischer geschrieben und gestaltet werden kann. In den ReWritings rückten sie die soziale Wirklichkeit, insbesondere von intersektionaler Diskriminierung, in den Fokus. Der Kern war der Schritt vom formellen hin zu einem materiellen Gleichheitsverständnis.
Seitdem hat sich die Bewegung international entwickelt. In England, Australien, den USA, Indien, Schottland und Brasilien wird kreative feministische Rechtskritik praktiziert. Das geht oft weit über das Umschreiben von Entscheidungen hinaus: So werden intersektionale Probleme adressiert, antirassistische Ansätze präzisiert und sozialwissenschaftliche Perspektiven in Recht eingebaut. Durch kritische Rekonstruktion sollen Entscheidungen und letztlich auch Regeln inklusiver und diskriminierungsfreier, also insgesamt gerechter werden. So eröffnen sich neue Wege der Rechtskritik und -praxis.
Neben der feministischen Perspektive nehmen Re:Writings heute viele weitere Perspektiven ein, aus denen heraus Gerichtsentscheidungen umgeschrieben werden. So entstand ein mittlerweile weltweites Netzwerk von Projekten.
